Adjektivdeklination in der angewandten Sprache

Adjektiv-Deklination

Setzen Sie das in Klammern stehende Adjektiv in der richtigen Form ein! Achten Sie auf eventuelle Ausnahmen und auf Groß- und Kleinschreibung.
ZUR HILFE

Das Heiligtum der Evolution


Die Ölpest vor den Galapagos-Inseln bedroht eine (mythisch) Stätte des (modern) Weltbildes


An ihren Schnäbeln sollt ihr sie erkennen. Charles Darwins Zeichnungen der Galapagos-Finken Aus dem Band 'Der verzauberte Blick' (Frederking & Thaler, München)Wer mit einem (klapprig) Laster voll Nitroglyzerin am Petersdom vorbeifährt, kriegt Ärger. Wer mit einem Atom-U-Boot die Seine hinauf bis nach Paris und zur Notre Dame schippert, bekommt Probleme. Doch einem (geografisch) (unbeleckt) Kapitän ist es erlaubt, mit einem (altersschwach) Öltanker an den Galapagos-Inseln entlangzutuckern — obwohl auch er ein Heiligtum bedroht.

Es war Charles Darwin, der die Galapagos-Inseln im Jahre 1835 zu Tempeln machte. Die wie alle Stiftungslegenden aus Fakten und Fiktionen (zusammengemischt) Erzählung von der Geburt der Evolutionstheorie im Pazifik berichtet, dass Darwin dort jene Finken entdeckte, die ihm, wie der (fallend) Apfel dem Newton und der Engel dem Abraham bei der Opferung Isaaks, ein Aha-Erlebnis bescherten. Darwin fand heraus, dass die in Körpergröße, Schnabel- und Kopfform (unterschiedlich) Vögel eng miteinander verwandt sind und von einer einzigen Art abstammen. Woher dann aber die Unterschiede?

Einst, so vermutete Darwin, könnten Finken einer „" (ursprünglich) Art infolge eines Sturms auf die Inseln verschlagen worden sein. Dort, isoliert, ohne Raubfeinde und Futterkonkurrenten, passten sie sich den (ökologisch) Gegebenheiten an. Die einen spezialisierten sich auf (hart) Kerne und legten sich einen (kräftig) Schnabel zu. Andere fraßen mit (schlank) Fresswerkzeugen Insekten. Dritten wuchsen Krallen, mit denen sie sich im Gefieder (groß) Seevögel festhielten, deren Blut sie mit (scharf) Schnäbeln tranken.

Es musste wohl so kommen, dass ausgerechnet diese Weihestätte des (naturwissenschaftlich) Weltbildes durch die von diesem (entfesselt) Technologie, einen Öltanker, womöglich zerstört wird. Mit den Galapagos-Inseln vollzöge sich dann eine (ikonografisch) Verwandlung: Sie würden, wie Kreuzigungsszenen und Bilder von der Vertreibung aus dem Paradies, zu Andachtsbildern unserer Zerknirschung: Ecce insulae! Seht die (klein) Eilande im Ozean, Garten Eden, unser Band zum (unendlich) — vernichtet durch unsere Schuld! Ostern nicht inbegriffen.

Wer es sich und den Inseln ersparen will, dass sie zu Passionsaltären eines (depressiv) Christentums werden, darf sich durchaus auf (religiös) Motive stützen — indem er sie wie Heiligtümer behandelt. Wie gesagt, man stelle sich vor, (ähnlich) geschähe mit dem Petersdom. Ein Sturm (heilig) Empörung liefe um die Welt — und jeder könnte das verstehen, schließlich ginge es um (religiös) Gefühle. Wenn aber Umweltschützer gegen die Zerstörung der Galapagos-Inseln protestieren, wird von Hysterie und Naturkult geredet — als dürften (naturwissenschaftlich) (geprägt) Religionskritiker keine (mythisch) Stätten und (spirituell) Gefühle haben. Warum denn nicht? Wissenschaft ohne Erregung gibt es doch gar nicht. Was, wenn jene Erregung der einzige Antrieb wäre, der stark genug ist, um die Menschheit von der Zerstörung ihrer Schätze abzuhalten?

gekürzt
nach Matthias Kamann "Die Welt" v. 24.1.2001